Mimmo, der Macher

Der Name klingt wie Urlaub. Cosimo Cascione. Vor dem inneren Auge sieht man einen jungen, gut aussehenden, schwarzhaarigen jungen Mann in einem Straßencafé sitzen. Vor sich ein Glas Rotwein. Der Blick schweift hinüber, zum nahen, tiefblauen Meer.  Die Sonne scheint. Das Leben ist schön.

Cosimo Cascione kennt man in Bremerhaven nur als Mimmo. Wir sitzen nicht in Süditalien am Meer, sondern in Bremerhaven, an der Weser. In Mimmos kleinem, aber feinen Restaurant. Etwas eine Stunde vor dem Ansturm der Gäste. Er kramt eine Zigarette hervor. Nippt an seinem Espresso. Und beginnt zu erzählen. Vom Leben, das es nicht immer gut gemeint hat mit ihm. Von seiner Heimat. Von seiner Familie. Und von seiner Leidenschaft fürs Kochen.

Geboren ist Mimmo vor 62 Jahren in Veglie, einem 15000-Einwohner-Städtchen in Apulien.  In etwa zur Halbzeit seines Lebens ist der Mann mit der markanten Brille erstmals nach Bremerhaven gekommen. Zunächst für eine Woche, um seinen Kumpel aus der alten Heimat zu besuchen, der hier im „La Stalla“ in der Hafenstraße gearbeitet hatte. Es scheint ihm gut gefallen zu haben, denn er kam immer wieder. Um schließlich selbst im „La Stalla“ zu arbeiten. Ein Jahr hielt es ihn dort, dann begann er einen Job in der Diskothek „Sound“, ebenfalls in der Hafenstraße. Dort blieb er drei Jahre, ebenso lange hielt es ihn als Kellner in einem spanischen Lokal in Langen. Dann wollte er nicht länger „nur“ Angestellter sein, sondern sein eigener Chef. Er führte zwei Lokale, danach hatte er, wie er sagt, die Nase voll von großen Lokalen. Suchte und fand das kleine Lokal an der Bürgermeister-Smidt-Straße 132, in dem er heute noch ist. Und in dem er seine ganz und gar eigene Art, den Gast zu verwöhnen, zelebriert.

Mimmo ist eine One-Man-Show. Er zaubert selbst in seiner kleinen Küche, sechs Tage die Woche. Und hat deshalb alle Hände voll zu tun, wenn seine rund 30 Plätze, die die Osteria vorzuweisen hat, voll sind. Und das sind sie an vielen, sehr vielen Abenden. Wer sicher sein möchte, einen Platz zu ergattern, sollte deshalb vorab reservieren.

Welche Philosophie er verfolgt? Er will seinen Gästen – zunächst und vor allem –  gute Speisen auftischen. Beste Produkte, wenig Schischi. Anders sein als die anderen. Möglichst natürlich. Und kreativ! Mimmo, der nie eine Kochlehre abgeschlossen hat und doch das Kochhandwerk beherrscht, arbeitet nicht nach Rezept. Sondern setzt auf die eigene Kreativität. Und hat damit Erfolg.

Freilich nicht von Anfang an. Denn die Erwartungshaltung der Gäste war zunächst eine andere. Manch einer drehte ab, als er feststellte, dass Mimmo keine Pizza auf der Karte hatte. Oder die sonst übliche riesige Zahl von Nudelgerichten auf der Karte fehlte. Oder frittierte Tintenfischringe für 8,50 Euro.
Mimmo aber nahm sich Zeit – und blieb sich treu. Das Ambiente seines Lokals schick (rote Hussen, weiße Tischdecken), kleine, dafür aber immer frisch zubereitete Gerichte. Der Service persönlich, familiär, angenehm – aber nie aufdringlich. Den macht er freilich nicht auch noch alleine. Vielmehr hilft hier seine Lebensgefährtin – oder Aushilfskräfte.

Mimmos Tag ist anstrengend. Er kauft selbst ein, bereitet alles vor, kocht selbst. Montags bis freitags auch mittags, ansonsten abends ab 18 Uhr – bis die Gäste eben gehen. Ein Knochenjob! 14-, 15-Stunden-Tage sechs mal die Woche, das zehrt. Nur sonntags ist der Laden zu. Den einen freien Tag braucht er auch, um auszuspannen. Das tut er am liebsten in seinem Häuschen in Bremerhaven – oder eben im Urlaub. Wo er den verbringt? Mimmo schaut verdutzt – „natürlich in Italien!“, sagt er als sei es das Selbstverständlichste der Welt, „da lebt meine Ex-Frau, meine zwei Töchter, meine zwei Enkelkinder und Freunde“.

Mimmos Markenzeichen im Lokal: Eine große Tafel auf Rollen, die er jedem Gast zur Ansicht vor den Tisch stellt. Dort sind alle Specials des Tages aufgeschrieben. Dass dieses Prinzip funktioniert – und also die Gäste Mimmo vertrauen -, sieht man daran, dass nur die Wenigsten die eigentliche Speisenkarte verlangen. Die meisten Produkte bezieht der Italiener, der die Seestadt liebt, von einem italienischen Lieferanten aus Bremen, dazu kauft er noch selbst ein – auch schon mal Fisch aus Italien.

Mimmo ist seine eigene Marke. Er ist wie er ist, verstellt sich nicht, macht für niemanden den Kasper. Und genau das scheinen seine Gäste  – neben der Qualität der Speisen – besonders zu goutieren. Sie nehmen es ihm nicht übel, wenn er mal missmutig dreinschaut – und freuen sich, wenn er gut gelaunt Empfehlungen ausspricht.

Die Frage, wie lange er seine Osteria noch betreiben wird, beantwortet er sehr nachdenklich: „Solange ich gesund bin“. Arbeit ist für ihn nicht Stress, sondern Erfüllung. Er braucht seine Küche, die Gäste, das ganze Ambiente. Um so schlimmer war es für ihn, als er 2011 von einer sehr schweren Krankheit heimgesucht wurde. Es ging, am Ende, alles gut aus. Was einem in solchen lebensbedrohenden Situationen Zuversicht gibt? Die Lust am Leben. Die Familie in Italien. Die Freunde. „Und wenn der da oben sagt: Bleib‘ du ruhig noch ein bisschen.“ Er schmunzelt – und zieht noch einmal an seiner Zigarette.

Was die Gäste bei ihm am liebsten essen? „90 Prozent der Gäste essen Vorspeise!“ Und die ist in der Tat ein Gedicht. Eine Gemüseauswahl, täglich frisch zubereitet, mit Knoblauch und Semmelbröseln geadelt, dazu ein paar Rädchen Wurst – ein Gedicht! Und dann lassen sich, wie er sagt, 90 Prozent auf eines der Gerichte ein, die auf der Tafel stehen. Frische Nudeln, ausgesuchte Fleischgerichte – etwa Kaninchenkeule – Seafood oder Fisch.

Ein Abend bei Mimmo ist ein Erlebnis – allerdings kein billiges. Ein Hauptgang kann schon mal an die 40 Euro kosten, ein Nudelgericht für ein paar Euro wird man bei ihm ebenfalls lange suchen. Mimmo rechtfertigt sich nicht, sondern erläutert. Die Qualität der Ware hat ihren Preis. Außerdem sind seine Portionen nicht eben klein. Und dann ist da noch der Aufwand, den Lokale nicht haben, die etwa Papiertischtücher und -servietten auslegen. „Ich bezahle allein tausend Euro im Monat für die Tischwäsche.“ Seine Gäste akzeptieren die Preise – weil sie wissen, dass sie dafür einen ausgezeichneten Gegenwert auf dem Teller und im Glas erhalten.

Dass Mimmo anders ist als alle anderen, sieht man auch daran, dass er keine Homepage hat. Er setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Und das Lob seiner Gäste. Und die geizen nicht damit. Auf der Platform „yelp“ etwa schreibt ein Besucher: „Es war einfach nur der HAMMER. Preis-Leistung ist einfach top. Für gutes Essen zahle ich gerne mal etwas mehr. Also ich kann nur jedem sagen. Hingehen und Schlemmen!!!“  Ein  anderer Gast bewertwet Mimmo auf Google so: „Der Mann weiß einfach, was er macht. Hier gibt es nicht A1 bis C548, sondern eine kleine, feine Karte sowie täglich wechselnde Gerichte, aus dem was die Saison hergibt, mit Leidenschaft und Können stets frisch zubereitet. So schmeckt Italien!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

*****

L’Osteria di Mimmo
Bürgermeister-Smidt-Str. 132
27568 Bremerhaven
Tel. 0471-9483984
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 12 bis 14 Uhr
Montag bis Samstag ab 18 Uhr
Sonntag Ruhetag

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Autor: gdm

Ich arbeite als Redaktionsleiter Bremerhaven bei der NORDSEE-ZEITUNG in Bremerhaven.

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